MHW Cube Racing Team ist Weltmeister
Sulzbach-Rosenberg, erstmals wurde die Weltmeisterschaft im 24 Stunden Mountainbike
Rennen in der Oberpfalz Deutschland ausgetragen...
Sulzbach-Rosenberg, erstmals wurde die Weltmeisterschaft im 24 Stunden Mountainbike
Rennen in der Oberpfalz Deutschland ausgetragen. Von uns, nur 175 km entfernt, war es fast
selbstverständlich sich dort einzutragen. Schnell war ein Team von 8 Fahrern gebildet. Am
Freitag den 21.August erfolgte die Anreise. Das Gesamte Team Equipment wurde im
Fahrerlager aufgebaut. Die ersten Trainingsrunden wurden gefahren, so ganz genau wussten
wir nicht was da auf uns zukommt.
Das Gelände
Auf dem ehemaligen Areal, der Maxhütte wurde das Rennen ausgetragen. Wo einst über
6.000 Leute Arbeit fanden, hatten fleißige Hände eine Strecke für Mountainbiker aufgebaut.
So ging es unter Rohren und Förderbändern hindurch, in große niemals enden wollende
Hallen hinein. Stockwerke mussten überwunden werden, winkelige und teilweise enge Gänge
galt es in Höchstgeschwindigkeit hinter sich zu lassen. Der Rückweg erfolgte auf Singeltrails
in freiem Gelände zurück zum Hochofen Areal der Maxhütte. Sogar ein ca. 30m langes Rohr
musste durchfahren werden.
Während der Nacht wurden die Gebäude mit verschieden farbigen Lichtern beleuchtet. In
den Hallen wummerte laute Rockmusik aus den Boxen, im freien Gelände dann totale stille
und Finsternis.
Eine Runde 7km lang, knapp 100 Hm galt es pro Runde zu überwinden.
585 Fahrer am Start. Gesamt laut Veranstalter über 8.000 Zuschauer an der Strecke.
Das Rennen
Pünktlich um 13:00Uhr, nachdem man sich im goldenen Buch der Stadt Sulzbach-Rosenberg
eingetragen hatte, erfolgte der Startschuss. Insgesamt 585 Starter gingen auf die Strecke.
Nach einem guten Start hatten wir als 8er Team bereits nach 2 Stunden einen Vorsprung von
ca. 3 Minuten eingefahren. Unsere stärksten Gegner waren das Team Vogtland welche in
diesem Jahr alle 24 Stunden Rennen für sich entscheiden konnten. Wir gingen volles Risiko,
unglaubliche Rundenzeiten von unter 16 Minuten wurden gefahren. Der Durchschnitt über
das gesamte Fahrerfeld lag bei ca 21 Minuten. In der 3ten Stunde ein Plattfuß bei Michael
Feinauer, er musste über eine weite Strecke joggen bevor er an die Laufräder gelangte welche
wir auf der Strecke deponiert hatten. Nach diesem Defekt lagen wir 4 Minuten hinter Team
Vogtland auf Platz zwei zurück. Entsprechend gereizt, nervös und angespannt versuchten wir
nun wieder aufzuholen. Nach 5 Stunden hatte wir die erste Runde Vorsprung eingefahren.
Die Rundenzeiten, noch immer stabile 16er Runden.
Die Moderatoren, welche 24 Stunden am Stück live von der Strecke moderierten, konnten es
kaum fassen. Ein so junges Team dreht hier richtig auf, alle 8 Fahrer mit nahezu identischen
super Rundenzeiten, „wo gibt es denn so etwas“. Entsprechend hoch war natürlich nun auch
das Interesse der Zuschauer und der sonstigen Teams. Auf einmal standen wir im
Mittelpunkt des Geschehens. Die Runden wurden hochgerechnet, Mittelwerte gebildet,
Vergleiche zu anderen Teams angestellt und immer wieder live kommentiert. Wie kommen
diese Jungs über die Nacht, können die das hohe Tempo halten, werden die auch noch das bis
dahin schnellste 4er Team (Team Votec) einholen, alle diese Fragen wurden ständig und
aktuell live diskutiert.
Gegen 21 Uhr wurde es dunkel, Live Bands trällerten laut live Musik von der Bühne.
Die ersten 8 Stunden lagen hinter uns.
Für die Nacht hatten wir innerhalb unserer 8 Piloten zweier Teams gebildet welche nun
versuchten immer 3 oder manchmal sogar 4 Runden im Wechsel zu fahren. Dies würde denn
anderen Fahrern erlauben auch mal über eine Zeit von 3 Stunden am Stück zu schlafen.
Die Rechnung ging auf. Während die anderen Teams im Schnitt 2 Minuten langsamer
unterwegs waren, konnten wir mit ca. 1 Minute langsameren Runden weiter Zeit gutmachen.
Gegen 3 Uhr Morgens hatten wir bereits 3 Runden Vorsprung auf unsere Gegner eingefahren.
Mittlerweile hatten wir auch die Radprofis des Votec Teams (4er Wertung) eingeholt. Wir
waren nun die schnellsten Biker auf der Strecke. Immer wieder kamen unsere Jungs durchs
Feld geschossen. Immer wieder hörte man Leute oder Fahrer rufen
„ Jungs ihr seid so geil“.
Irgendwie schafften wir die Nacht ohne nennenswerte Defekte, ausgenommen von Sam
Weber, er versuchte auf geteerter Strecke einer Eisenbahnschiene zu folgen was natürlich nur
über wenige Meter gelang, es folgte ein Sturz mit entsprechenden Schürfwunden. Die
Johanniter hatten diese jedoch schnell wieder gekittet.
Im Morgengrauen wurden die Lichter, welche sehr gute Dienste geleistet hatten, wieder von
den Bikes abgebaut. Wir gingen zurück auf unseren alten Rhythmus. Mittlerweile hatten wir
den Vorsprung gegenüber unseren Verfolgern, Team Vogtland, auf 4 Runden ausgebaut.
Auch Team Votec (4er Wertung) gelang es nicht die Gesamtführung wieder zu holen,
allerdings trennten uns hier nur Minuten.
Mit Adrenalin im Blut wurden die Rundenzeiten in der Morgensonne wieder richtig schnell.
Kaum einer benötigte mehr als 16 Minuten für eine Runde. Um 12 Uhr ging es dem Schluss
entgegen. Mit 5 Runden und einigen Minuten Vorsprung vor den Verfolgern, konnte
eigentlich nichts mehr passieren.
Richtig spannend wurde es als Felix Zeeb knappe 15 Minuten vor Rennende noch einmal auf
die Strecke ging, wird er es schaffen eine niedrige 15er Runde zu fahren, kommt er noch
innerhalb der 24 Stunden über die Linie. Was nun folgte glich einem Krimi, Felix gab alles.
Immer wieder bange Blicke der riesigen Zuschauermengen auf die unaufhörlich laufende Uhr.
Die Modoratoren begannen bereits die Sekunden nach unten zu zählen als Felix durch die
Stahlhalle geflogen kam. 10, 9, 8, 7............. um eine Sekunde verfehlte Felix die Linie, somit
blieb es beim Vorsprung von 5 Runden, ein Nervenzefetzendes Showdown.
Es war geschafft, die Freude war riesig. Mit Deutschland Flagge bestückt fuhren die Jungs
anschließend, unter Beifall der Massen und laufenden Kameras, noch eine Ehrenrunde, und
noch einmal durch den Zielbogen. Anschließend folgte die Siegerehrung.
Der Bürgermeister aus Sulzbach- Rosenberg, Joey Kelly und Dieter Depping überreichten die
Weltmeistertrikots und die Medallien.
Fakten:
Mit der letzen nicht zählenden Runde (1 Sekunde zu spät über die Linie) sind wir 87 Runden
gefahren.
- 609 km im Renntempo
- 8.700 Höhenmeter
- Durchschnittliche Geschwindigkeit in einem Stahlwerk und winkeligen Singeltrails
von über 25km / Std.
geschrieben am 08.10.2009 um 11:02 Uhr.